Ich habe lange überlegt ob ich mich zum Abbruch des “SchweinskeCup 2012″ äußern soll, denn letztlich war ich nicht vor Ort und habe die Geschehnisse dort nur durch Freunde, Twitter, dem Bericht durch Magischer FC-Blog und über die sogenannten seriösen Medien mitbekommen.
Da ich die Darstellung des oben verlinkten Blogeintrag auf magischerfc.de vorbehaltlos glaube, einfach weil ich den Verfasser seit Jahren kenne und er auch in der Vergangenheit konstruktiv und kritisch mit unserer Fanszene umgegangen ist sitze ich hier nun seit gestern und komme aufgrund der Schilderungen der Ereignisse und der Reaktionen darauf nicht mehr aus dem Kopfschütteln heraus.
Das von der Presse und der Polizei die Ereignisse so vermischt und durcheinander gewürfelt werden, dass der Eindruck entsteht, dass sich da zwei (bzw. drei) verfeindete Fanlager zum Freidrehen getroffen haben und die Polizei beim Versuch da zu “schlichten” auch noch ganz böse vermöbelt wurde, kennen wir ja aus der Vergangenheit und den zugehörigen Medienberichten dazu ja schon zur Genüge. Aber das die eigene Mitfans im Forum und bei facebook in diese Kerbe auch noch mit reinhauen und diese Berichte ohne reflektiertes Nachdenken einfach 1 zu 1 übernehmen tut dann schon sehr weh. Ich will gar nicht bestreiten, dass auf Seiten des FC St.Pauli am Freitag einige Idioten die Situation genutzt haben, um Ihre Gewaltfantasien auszuleben.
Aber letztlich sind nicht St.Pauli-Fans Auslöser der Vorkommnisse gewesen und: Ja verdammt! Es ist wichtig, wer angefangen hat!
Ich kann nicht verstehen wie man Mitfans, die sich gegen Angriffe durch Nazipack (Wer den Hitlergruss zeigt und sei es nur als Provokation muss sich von mir als Nazi bezeichnen lassen) zur Wehr setzen und verhindern, daß diese Nazischweine Banner ( u.a. mit der Aufschrift “Kein Mensch ist illegal”) rauben, mit eben jendem Pack gleichsetzen kann.
Diese Mitfans haben gestern die Werte, die St.Pauli ausmachen verteidigt. Ja sie haben zur Selbsthilfe gegriffen (weil die Staatsmacht mit Ihrem Gewaltmonopol eben nicht in der Lage dazu war) und sich nicht einfach von dreckigen Arschlöchern verprügeln und beklauen lassen.
“Ihr” schmeisst diese Mitfans in einen Topf mit Arschlöchern, die unsere Werte gestern mit Füssen getreten haben und nur den Plan hatten andere zu verletzen und deren Eigentum zu klauen. “Ihr” wollt Menschen, die gestern von der Polizei mit Tränengas und Schlagstöcken eingedeckt wurden, mit Stadionverbot bestrafen. Und wofür? Weil sie sich nicht brav zuerst von Lübecker Nazis verprügeln und beklauen haben lassen und danach brav von der Polizei noch ne Runde Knüppelsuppe mit Pfefferspray abgeholt haben? Von einer Polizei, die es nicht schafft ein (vorher vermutlich geplantes) Verbrecken wie Raub (und nichts anderes ist der Versuch unter Anwendung von Gewalt Banner zu klauen) zu verhindern und die Täter dieses Verbrechens auch noch in ihre Busse eskortiert haben.
Natürlich müssen wir über Auswüchse von Gewalt in unserer Fanszene diskutieren und dürfen diese nicht dulden. Aber zu dieser Diskussion gehört auch die Unterscheidung von Angriff und Verteidigung und damit auch eine entsprechende Einordnung der Geschehnisse vom Freitag. Hier sollte zu allererst Solidarität mit denen im Vordergrund stehen, die sich am Freitag sowohl gegen die Angriffe der Lübecker als auch gegen die Gewalt durch die Staatsmacht, die sich gegen die Falschen richtete, zur Wehr gesetzt haben.
Nur leider gewinnt man beim Lesen des Forums und von facebook den Eindruck, diese Differenzierung ist Einigen durch das Lesen von Mopo und Bild verloren gegangen. Den Vogel schiesst dabei ein User auf der offiziellen Vereinsseite bei facebook ab, dessen Argumentationskette bei der Verurteilung der Gewalt in die einfache Formel “Keine Politik beim Fussball” mündet. Wenn man es auf diese Formel schafft, dann hat er mit seinen Unkenrufen recht:
Dann sind wir bei St.Pauli wirklich nicht anders als bei anderen Vereinen!
P.S.Eine der wenige Lichtblicke in den letzten Tagen war daher neben dem Artikel “Skandal beim Schweinske Cups” des “Fussball von Links”-Blog auch der Artikel vom geschätzten Lichterkarussell. Auch wenn der bewußt provokative Titel sicher einige deutlich auf die Füsse treten wird. Der dort mit der Prüfung des Vorfälle durch den Verein verbundenen Hoffnung schliesse ich mich mal an.
P.P.S. Lesenswert auch “Irgendwie macht es keinen Spaß mehr” (Sitzblogade-Blog)
P.P.P.S Publikative.org mit einem sehr lesenswerten Artikel für den man sich nur bedanken kann und die sogenannten seriösen Medien sich eine Scheibe abschneiden sollten…
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jep, gut getroffen!